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Kautschuk

Den Ureinwohnern von Amerika war der Kautschuk schon längst bekannt, bevor die ersten Mitteilungen über diesen eigenartigen, mit keinem anderen Naturrohstoff direkt vergleichbaren Stoff nach Europa gelangte. Bei Ausgrabungen in Britisch-Honduras stieß man auf Ballspielplätze der Maya-Indianer aus dem 10. und 11. Jahrhundert und man fand hier Kautschukbälle von der Größe eines heutigen Fußballes. Der erste Europäer, der den Kautschuk in Händen hatte, war vermutlich Christoph Columbus. Nach dem berühmten Histographen Antonio de Herrera, der über die Eroberungszüge der Spanier berichtete, soll Columbus im Laufe seiner zweiten Amerikareise (1493 - 1496) Spiele der Eingeborenen kennen gelernt haben, bei denen Bälle aus einem elastischen Harz verwendet wurden, die "besser sprangen als kastilianische Windbälle". Auch Cortez sah diese Spiele bei seiner Eroberung des Aztekenreiches (1519 - 1521) im Palast von Montezuma. Er bewunderte auch die blitzenden Zähne der Aztekenmädchen, was er dem Kauen einer bestimmten Gummiart zuschrieb. Als die ersten kleinen Kautschukmengen aus Amerika nach Europa kamen, wurden sie auch von den damaligen "Wissenschaftlern" unter die Lupe genommen. Diese erklärten damals mit Bestimmtheit, dass diese Masse, der Kautschuk, ohne Zweifel von großer Heilkraft für die menschlichen Gebrechen sei: "Sie hat eine truckende, anhaltende, zusammenziehende und heilende Kraft, stärket den schwachen Magen, stillet das Erbrechen, bringet Appetit zum Essen und reiniget das Geblüt. Es hemmet die kalten Hauptflüsse und kräftiget das Gehirn; tuet gut der Brust und Lungen, vertreibet den langwierigen Husten, mindert das Seitenstechen und beeinträchtigt die Schwindsucht; es lindert auch die Zahnschmerzen und befestiget das schobutische, lose Zahnfleisch." (aus "Kampf um Kautschuk" von Jünger W., 1940, Goldmann Verlag Leipzig).

Einige nützliche Verwendungsmöglichkeiten des Kautschuks lernte man jedoch erst 1615 aus dem Werk Juan de Troquemadas "De la monarquia indiana" kennen. Er beschrieb darin die Herstellung eines "Uléi" genannten Produktes, das von den Eingeborenen Mexikos aus dem Latex eines "Ule" genannten Baumes gewonnen wurde. Aus diesem wurden Fackeln, Gefäße, Schläuche und Kleidungsstücke gefertigt.

Das Interesse Europas an diesem Produkt wurde jedoch erst viel später durch die zwei französischen Gelehrten La Condamine und Fresneau geweckt. 1736 wurde La Condamine von der Pariser Akademie der Wissenschaft nach Südamerika gesandt, um dort einen Meridianbogen in der Höhe des Äquators zu vermessen. Während den acht Jahren, die er sich dort aufhielt, stellte er die verschiedensten naturwissenschaftlichen Beobachtungen an und sammelte seltene Pflanzen und Merkwürdigkeiten. Unter anderem sandte er auch einige Stücke einer dunklen harten Masse an die Akademie der Wissenschaften. Er berichtete, dass diese Masse von einem Baum stamme, den die Eingeborenen Hévé nennen. Bei einem bloßen Einschnitt in die Rinde entfließe ihm eine weiße, milchartige Flüssigkeit, die sich in der Luft nach und nach verhärtet und schwarz wird. La Condamine beschrieb gleichzeitig, wozu die Indianer diesen Stoff gebrauchen. Ferner berichtete er auch, dass der gleiche Baum an den Ufern des Amazonas wachse und die Indianer den daraus erhaltenen Stoff "caa-o-chu", tränendes Holz, nannten. Zur selben Zeit hörte man auch von den Reisen des französischen Forschers und Ingenieurs Fresneau, der, von La Condamine angeregt, den Kautschukbaum in Französisch-Guayana bei den Coussaris entdeckte. In seinen Berichten beschrieb er den Kautschukbaum, sowie die Standorte des Baumes. Ebenso beschrieb er seine Nachforschungen nach dem Verfahren der Kautschukgewinnung. Von ihm stammen auch die ersten Vorschläge für eine praktische Nutzung dieses Rohstoffes.

Die erste Verarbeitung von Kautschuk auf fabrikatorischer Basis erfolgte 1823 durch MacIntosh, der mit Hilfe des Kautschuks wasserdichte Gewebe herstellte. Die industrielle Verwendung des Kautschuks war zu dieser Zeit jedoch noch sehr gering, da man noch mit zu vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
1832 wurde die erste amerikanische Fabrik, die Roxbury Rubber Company, von Chaffee und Hoskins errichtet. Sie erzeugte in erster Linie imprägnierte Stoffe und Schuhe. Nach und nach nahm nun, vor allem durch die inzwischen gemachte Erfindung der Mastikation, die industrielle Verarbeitung einen bedeutenderen Umfang an. Unglücklicherweise wurden jedoch 1838 durch warmes Wetter alle Waren aus Kautschuk zerstört, was zu einer Panik führte, während der der Kautschuk weggeworfen oder verbrannt wurde.
Nachdem jedoch ein Jahr später, durch die, von Goodyear gemachte Erfindung der Vulkanisation, dem Kautschuk viele seiner unangenehmen Eigenschaften genommen worden waren, wurde das Interesse am Kautschuk wieder geweckt. Es begann ein bedeutender und stetiger Aufschwung der Kautschukindustrie.

Man unterscheidet heute Naturkautschuk ( NR ) und diverse Synthesekautschuke.

Beide Kautschuk-Gruppen sind Hauptbestandteil der so genannten Elastomere.
Naturkautschuk gewinnt man hauptsächlich aus Latex , einem milchigen Saft des Stammes von Hevea Brasiliensis (Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächs).
Der Name Hevea Brasiliensis stammt von einem im Amazonasgebiet wild wachsenden Baum mit einem bis zu 20 Meter hohen und bis zu 80 cm dicken Stamm. Inzwischen wird dieser Baum plantagenmässig in fast allen Tropengebieten (vor allem Indien, aber auch in Afrika und Südamerika) angebaut.
Latex ist eine milchig-weiße Emulsion von Kautschuk-Tröpfchen, die man durch Anritzen des Stammes der Hevea Brasiliensis erhält. Der Latex wird vor Ort durch diverse Prozesse zur Gerinnung gebracht, wobei sich der Rohkautschuk vom Wasser trennt.
Naturkautschuk ist elastisch und kann bis zum 5-fachen seiner Länge gedehnt werden. Er ist leichter als Wasser und nahezu geruchlos. Naturkautschuk leitet Wärme und Elektrizität schlecht.
Zu einem technisch wertvollen Produkt wird Naturkautschuk durch Vulkanisation, bei der Schwefel an die Doppelbindungen der Kautschukmoleküle angelagert wird.
Das hierbei entstehende Produkt bezeichnet man allgemein als Gummi. Gummi ist wesentlich beständiger gegen Luft und Chemikalien als Rohkautschuk.

All diese Produkte zählen zu den Elastomeren, unterscheiden sich aber teilweise erheblich in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften.
Industrielle Anwendungen, neben den allgemein bekannten in der Reifenindustrie , als Radiergummi und als Verhütungsmittel, finden die Elastomere vor allem in so genannten Gummiformteilen ( Gummidichtungen, Gummiprofile, Gummimatten, Gummibänder, Gummischläuche,... ) und in Gummi-Metall-Verbindungen
( Vibrationsdämpfung , Geräuschdämmung , ... ).
Gummiwaren werden vorwiegend im Gieß-, Press-, Spritz-, Schleuder- und Schaumverfahren hergestellt.

Aufgrund der weit fortgeschrittenen technologischen Entwicklung können die Eigenschaften der Elastomere heute auf nahezu alle Anwendungsforderungen eingestellt werden.
Natürlich hat der Kautschuk auch Einzug bei der Schmuckindustrie gehalten. Heute werden aus ihm Ketten, Armbänder uvm. hergestellt.